Montag, 18. Mai 2015

Rezension zu Vom Winde verweht von Margaret Mitchell

Ich liiieeeebe es! Ab sofort mein Lieblingsbuch!

Kann Spoiler enthalten!
 
 

Inhalt vom Buchrücken:

Keine andere Liebesgeschichte hat das Publikum auf der ganzen Welt so mitgerissen wie diese große Saga um die verwöhnte Scarlett O'Hara und ihren zynischen Verehrer Rhett Butler. Mit einzigartiger Intensität zeichnet Margaret Mitchell nach, wie eine große Liebe zerbricht und lässt gleichzeitig eine längst vergangene Epoche lebendig werden.

Meine Meinung:

Der Roman erstreckt sich auf über 1000 Seiten und ist in meiner Ausgabe noch einmal in drei Bücher thematisch untergliedert.
Im ersten Buch handelt die Geschichte, um die Anfänge wie Scarlett und Rhett sich auf einem der Feste kennenlernen. Es ist noch die vergnügsame Zeit vor dem Bürgerkrieg, in der wir Scarlett kennenlernen, ihre Macken und Ideen, ihre Denkweise und ihre Vorlieben, aber wie lernen auch die Gepflogenheiten des Südens näher kennen, die Sitten und Moral der Farmer und spüren immer mehr die Spannungen zu den Yankees.

Mammy zu Scarlett:
"Du manchmal viel zu derb, ich dir schon immer sagen wollen, es macht keinen guten Eindruck, daß du bei Schlangen und Mäusen und dergleichen nie in ohnmacht fallen."
Im zweiten Buch ist der Bürgerkrieg ausgebrochen. Es herrscht Krieg und Meuterei. Die Männer fallen reihenweise in den Schlachten und ein Todestelegramm nach dem anderen flattert heim. Die Frauen helfen im Lazarett aus so gut sie können, doch der Krieg scheint verloren. Mehr und mehr übernehmen die Yankees das Ruder, besetzen Städte und Scarlett flieht aus der Stadt zurück zu ihrer Heimatfarm. Dort warten harte Jahre des Entbehrens und Hungerns auf sie, alles ist zerstört und wir lernen Scarlett von einer ganz anderen Seite kennen.
Im dritten Buch tauchen wir ein in die gespaltene Gesellschaft und erleben hautnah die Umbrüche der Zeit mit. Der Zwiespalt zwischen den Republikanern und Demokraten wird deutlich, die Zeit nach dem Krieg machte viele Menschen mürbe und brachte für Scarlett ein vollends neues Leben.

Scarlett O'Hara ist junge 17 Jahre alt, als wir sie das erste Mal kennenlernen. Bereits jetzt hat sie die Kontrolle über die Männer. Sie ist hübsch mit ihrem schwarzen Haar, der vornehmen Blässe und den blauen Augen und verfügt über ihren ganz eigenen Reiz. Diesem Charme ist auch Charles erlegen. Er macht ihr den Hof und umwirbt sie nach allen Regeln der Kunst, wenn auch noch recht schüchtern und unbeholfen. Sie macht sich über den armen Charles lustig und umschmeichelt ihn frech.
Doch Scarlett hat ihre Augen ganz woanders. Seit Kindertagen ist sie in den jungen Ashley mit dem blonden Haar, welches wie ein Bündel goldener Sonnenstrahlen auf seinem Haupte sitzt und um seine Schultern weht, verliebt. Und sie spürt ganz deutlich, dass er sie auch liebt. Doch die Tradition besagt, dass die Wilkes sich nur mit ihren Cousins und Cousinnen verheiraten.
In einem verzweifelten, aber energiegeladenen Moment fasst sie sich ein Herz und spricht ihn darauf an. Doch Ashley streicht alle ihre Einwände vor und bittet sie nie wieder davon zu reden. Er wird sich mit Melanie verloben.
Scarlett platzt beinahe vor Wut und schmeißt in ihrem Zorn Geschirr an die Wand.


Sie schlug mit Fäusten um sich, trampelte auf dem Fußboden und schrie immer wieder:"Ich will, ich will!"

Rhett Butler ist von diesem jungen Wildfang fasziniert. Er ist angewidert von den steifen Gepflogenheiten und hält nicht viel von den alten Traditionen und der gegenseitigen Heuchelei. Ihm geht ein schlechter Ruf voraus, denn auch er treibt was er will und geht für seine Ziele über Leichen. Scarlett fällt ihm sofort auf. Sie ist anders als die anderen jungen Damen in ihrem Alter und vom gleichen schneidigen Charakterzug wie er.

Aus Trotz, dass Ashley Miss Melly heiratet, vermählt Scarlett sich mit dem naiven Charles. Dieser fällt keine zwei Monate später im Krieg und sie muss sich mit dem trostlosen Dasein als Witwe abgeben. Sie hasst diesen Zustand. Immer zu muss sie schwarze Kleider tragen und darf nicht mehr an Vergnügungen teil haben. Dabei liebt sie rauschende Feste bis zur Besinnungslosigkeit und Kleider und schicke Hüte und viel Schmuck. Sie ist eine richtige kleine Partymaus.
Und all das kann ihr Rhett Butler geben.
Im Laufe der Zeit, Scarlett heiratet mehrmals aus Geldgier, bekommt Kinder, die sie gar nicht will, trifft sie sich immer wieder mit Rhett.
Er gibt ihr all das, was sie braucht. Hitzige Wortgefechte, stürmige Umarmungen und endlich mal jemand der sie herausfordert, den sie nicht so leicht unterbuttern kann, wie all die anderen Männer,

Denn Scarlett dominiert und untergräbt die Autoritäten der anderen. Immer zu eckt sie in der Gesellschaft an. Sie will mit dem Kopf durch die Wand. Sie kann liebreizend sein, singend durch die Zimmer laufen und jedem ein strahlendes Lächeln schenken, solange sie das bekommt was sie will. Läuft es aber einmal nicht nach ihrer Nase, so wird sie zur Furie, zetert und schreit und trampelt und setzt sich doch über die Verbote hinweg. Geschickt findet sie immer wieder Mittel und Wege, um ihre Ziele zu erreichen. Auf das Gerede der anderen gibt sie nur wenig.

Und gerade weil sie wie Rhett Butler eine Aussätzige der Gesellschaft ist, ziehen sich die beiden wie magisch an.
Rhett sieht aus wie ein Pirat, benimmt sich auch wie einer und ist am Anfang ein ganz unverschämter und frecher Charakter. Er provoziert sie, treibt sie zu Wutausbrüchen, und sucht immer wieder ihre Nähe auf. Er lächelt spöttisch, verzieht schelmisch die Mundwinkel und scheint über alles und jeden erhaben.
Doch er ist ein tief in seinem Herzen ein sanfter Mann. Er liebt Scarlett und will ihr alles ermöglichen. Doch Heiraten lieg ihm nicht, er probiert es mit ein paar frevelhaften Angeboten, die Scarlett alle mit einem Fauchen ausschlägt.

Doch Scarlett hat auch ihre weichen gutherzigen Seiten. Natürlich denkt sie egoistisch und sieht nur sich selbst, aber in den Stunden größer Not steht sie ihrer Schwägerin und Freundin Melly zur Seite, hilft ihr bei der Geburt und pflegt sie gesund. Die Farm überlebt nur, weil sie die Zügel in die Hand nimmt. Rabiat herrscht sie die Sklaven an, zu machen, was sie sagt und auch sie selbst schleppt auch ausgehungert Meilen um Meilen durch das verwilderte Land. Sie gräbt in der Erde, arbeitet und schuftet hart auf dem Feld, lernt das Melken und sucht Essen zusammen.
Um jeden Preis will sie Tara erhalten, sie ernährt 13 hilflose Köpfe und hält sich nur durch ihren eisernen Willen alle über Wasser.

Doch die schwere Hungernot und Kriegszeit, in der immer wieder Raubüberfälle und desertierte Soldaten über ihren kleinen privaten Frieden hereinbrechen, hat seine Spuren bei ihr hinterlassen. Sie hat schreckliche Albträume und die Armut hat ihren Wunsch nach Reichtum verstärkt.
Nie mehr will sie Hunger leiden, nie wieder hungern, nie hungern und nie wieder hungern.

Als sie schließlich doch mit Rhett in den Bund der Ehe eintritt, scheint für sie das Paradies auf Erden aufzugehen. Denn Rhett ist reich und wie viele andere Gauner und Trickbetrüger nicht ganz legal an die Millionen gekommen. Er möchte seiner Frau jeden Wunsch von den Lippen ablesen und lässt sie gewähren. Scarlett lebt unglaublich verschwenderisch. Sie will das größte Haus in der ganzen Stadt. es soll ein Palast werden, mit Ecktürmen und Bogenfenstern mit bunten Gläsern. Es muss höher und noch schöner als das vom Bürgermeister sein. Sie gibt rauschende Feste und Veranstaltungen, will den größten Diamantring am Finger tragen, den es gibt und all ihre Kleider sollen aus feinster Seide sein. Sie möchte bejubelt und beneidet werden und protzt großzügig herum.

Rhett zu Scarlett nach einem Albtraum.
"Es wohl schrecklich sein im Traum zu hungern, nachdem man ein Diner von sieben Gängen mit einem riesigen Hummer hinter sich hat." Er lächelte, aber mit gütigen Augen.

Doch sie merkt zu spät, dass all dieser Reichtum sie nicht glücklich macht. All ihre alten Freunde ziehen sich zurück und bis auf die bodenständige Melly bleibt ihr niemand. Doch darauf reagiert sie hochnäsig und trotzig und will nur noch mehr.
Ihr Glück könnte beinahe vollkommen sein. Sie hat einen liebenden Ehemann, der sich rührend um ihre Kinder kümmert und doch ist sie noch immer nicht zufrieden.
Denn das was ihr fehlt ist niemand anderes als Ashley.

Von der Handlung her, passiert noch so viel mehr, als ich hier zusammenfassen kann. Um das alles wiederzugeben, könnte ich glatt selbst einen Roman schreiben.
Am Ende nach ihrem Frust über ein weiteren Kind, dass sie nicht will, einer Krankheit und einer Kette von Unglücken, erkennt sie, dass sie Ashley nie geliebt hat. Er war immer nur ein Gespinst in ihrem Kopf, ein Mädchentraum, den sie nie loslassen konnte. Am Ende verliert sie ihren größten Halt, ihre Stütze und ihre treue Freundin Melly und erst als sie aus dem Leben scheidet, erkennt sie, dass sie Melly nie gehasst hast, sie schätzt erst in deren letztem Atemzug, was sie wirklich an ihrer Freundin hatte.
Und als sie erkennt, dass alles, was sie zu ihrem Glücke braucht, schon immer direkt vor ihrer Nase war.
Doch dann ist es zu spät.

Rhett Butler hat Scarlett immer geliebt. Er bewunderte ihre Kraft, ihren Mut und ihre Entschlossenheit. Selbst in ihren schlimmsten Momenten lies er sie allein. Denn er wusste immer. Sie würde durchkommen, sich durchbeißen und anstatt daran zu zerbrechen, wächst sie nur mit ihren Aufgaben.
Doch erkannte, dass immer wenn sie in seinen Armen lag, sie sich wünschte, er wäre Ashley. Er versuchte wirklich alles, ihre Liebe zu gewinnen, er lies ihr so viele durchgehen, doch sein Stolz stand ihm im Weg, stand beiden im Weg. Keiner von Beiden wollte den ersten Schritt machen und seine Liebe gestehen.
Seine Tochter Bonnie gibt ihm Trost, er herzt und liebt sie und liest auch ihr jeden Wunsch von den Lippen ab. Egal, ob das Pony noch höher springen sollte, das Reitkleid aus gefüttertem blauen Samt besteht oder sie immer an seiner Seite stand, nichts war ihm zu teuer.

Rhett war längst in der Gesellschaft aufgestiegen und ein geachteter Mann. Doch als Bonnie stirbt, bricht für ihn vollends seine Welt zusammen. Er sucht Trost im Alkohol, genauso wie Scarlett heimlich zu einer Alkoholikern wird und vor jedem Einschlafen noch einmal einen Schnaps braucht.
Sie sind sich so ähnlich, und Rhett ist der einzige Mann, der Scarlett Paroli bieten kann, da alle anderen sich vor ihr fürchten.
Doch irgendwann ist auch seine Liebe erschöpft.

Doch Scarlett O'Hara wäre nicht Scarlett O'Hara wenn sie ihren Prinzipien nicht bis zum Schluss treu bleiben würde.
Als Rhett sie verlässt, sie tränenüberströmt erkennt, dass sie nun alles verloren hat, so ist sie dennoch voller Mutes. Für sie steht fest: Sie wird Rhett Butler wieder bekommen. Und was sie will, das bekommt sie auch.
Doch nicht heute, sondern morgen. Denn morgen ist auch noch ein Tag.

Für mich ist Vom Winde verweht einfach großartig. Margaret Mitchell hat für mich facettenreiche Charaktere erschaffen und sie alle in einem historischen Kontext gefügt, indem Amerika sich im Umbruch befindet. Ich fand viele kleine Szenen besonders aufmerksam und authentisch. So sträuben sich zum Beispiel die Sklaven vor harter Arbeit indem sie sagen, dass sie Hausnigger sind und keine Feldnigger.
Ich mochte es zu lesen, wie Scarlett versucht Rhett hinters Licht zu führen.
Und ich habe Hochachtung Respekt vor Miss Melly, ein zartes Geschöpf, so sanftmütig und lieb und dennoch brennt in ihr das Feuer und sie steht ihren Freundin energisch bei.

Ich finde die Persönlichkeit der Scarlett faszinierend. Ihre Grundeinstellung zum Leben ist beispielshaft. Sie nimmt alles in die Hand, sie setzt sich durch und macht sich kein Stress, und gibt die Hoffnung nie auf.
Rhett tut mir Leid. Er hat wirklich alles Menschenmögliche getan, um Scarlett die Augen zu öffnen.

Und auch viele andere Charaktere wie Mammy, Mrs. Pitty, Frank und Miss India, Ashley haben alle ihre ganz eigene Note.

Auch das Setting wirkt so lebendig, das sich mir alles wunderbar vorstellen konnte. Egal, ob es der Krieg war, die Trümmer, Sterbezimmer, Aufruhr oder Feste und Momente der flammenden Leidenschaft - ich war hautnah dabei.

Der Schreibstil von Margert Mitchell ist ebenso klasse. Ich war erst skeptisch, ob sich der Roman leicht lesen lassen würde, aber ich flog so schnell durch die Seiten, ja ich kam kaum noch von ihnen los.
Sie arbeitet mit Metaphern, Wortspielereien und greift immer wieder Motive auf, sodass ein roter Faden beim Lesen entsteht.

Fazit:

Vom Winde verweht ist ein großartiger Epos. Bewegend, unglaublich, und Margaret Mitchell verwob die Elemente des Krieges, der Liebe in einem solch wunderschönen, wie gigantischen Drama, dass ich die Seiten an mich drücke, herze und es wieder und wieder lesen möchte.
Ich bin einfach nur begeistert.

 
<3 Fiorella

Kommentare:

  1. Hallo Fiorella,

    ich bin von deiner Rezension richtig begeistert. :-) Und ja, ich liebe dieses Buch auch. Es gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern und ich freue mich sehr, dass dir dieser "alte Schinken" genauso gut gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Dankeschön Nicole :-) Das freut mich echt wirklich.
      Und das es auch zu deinen Lieblingsbüchern gehört- umso besser!

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  2. tara, mein tara... hachz... ist schon seeeehr lange her!
    lg von der numi

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  3. Möchte ich diesen Sommer in meinem Urlaub lesen :-)
    Keine Ahnung wie oft ich den Film schon gesehen habe^^
    Liebe Grüße

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    1. Den Film habe ich noch gar nicht vollständig gesehen, irgendwie immer nur das Ende...

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