Dienstag, 10. Juni 2014

Rezension zu Bevor ich sterbe von Jenny Downham

Also ich höre gerade Happy von Pharrell Williams und Ma Cherie von DJ Antoine um überhaupt über das Buch nachdenken zu können ohne gleich in sentimentale diffuse traurige Gedanken zu verfallen.
Also oft höre ich auch ruhige Musik, aber das geht jetzt nicht.



Inhalt vom Buchrücken:
Ihr bleibt keine Zeit, aber die Liebe Tessa erzählt die Geschichte ihres Todes - mit unglaublicher Courage, Ehrlichkeit und voller Hoffnung. Ihr glauben wir, dass Liebe selbst das Sterben verändert.

Meine Meinung:
Erster Absatz:
Wenn ich doch nur einen Freund hätte. Ich wünschte, er würde im Schrank von einem Kleiderbügel hängen. Immer wenn ich wollte, könnte ich ihn rausholen, und er würde mich so ansehen wie die Jungs in Filmen, so als ob ich schön wär.

Letzter Satz:
Augenblicke.
In diesem einen münden sie alle.


Natürlich wissen wir es.
Natürlich wissen wir, dass Tessa stirbt.

Aber es ist echt krass geschrieben. So echt. Lebendig, obwohl es um den Tod geht.

Seite 314:
Sechs Schneemänner aus Watte.
Sechs zu Origami-Lilien gefaltete Servietten.
Sieben Steine, alle verschiedenfarbig, an einer Silberkette.

Seite 285:
Todesabwehrzauber.

Aber ich will von vorne anfangen.
Tessa ist mir von Anfang an sehr sympathisch gewesen. Sie schreibt sich an die Wand neben ihrem Bett eine Liste, was sie vor ihrem Tod noch alles machen will.
Auch ich habe eine Liste, aber ich habe noch keinen Tod vor Augen, daher kann ich sie gut nachvollziehen.
Ihr Denken, ihr Handeln wirken auf mich im ganzen Buch authentisch. Ich glaube an manchen Stellen würde ich ähnlich reagieren.
Sie ist sehr tapfer und irgendwie ist am Anfang noch nicht davon viel zu spüren, dass sie wirklich realisiert hat, dass sie sterben wird, dass sie niemals ihr Abi in den Händen halten wird, oder eigene Kinder haben.

Seite 302:
Adam sagt: "Gute Nacht, Tessa."
Gute Nacht, Adam.

Seite 308:
Cal was wird aus Leichen?

Staub, glitzernder Regen.

Ich habe mich schon gefragt, wann ihr das alles zu Kopf steigt und als dann der Wutausbruch kam, war es nicht nur eine kleine Rebellion, nein sondern gleich ein ganzer Vulkanausbruch.

Ich liebe ihren Vater. Er erinnert mich an meine Familie. Er ist so führsorglich und wie er hartnäckig bleibt, sie tröstet, sie hält, wie er sich Sorgen um sie macht. Er ist der beste Buchvater der Welt. So einen wie ihn habe ich in noch keinem Buch gefunden.
Ihre Mutter fand ich auch sehr gut dargestellt. Sie hat einen sehr gesplitteten Charakter, sie liebt Tessa, aber auch sie ist nur ein Mensch und hat ihre Grenzen.
Dann ist da auch noch Tessas kleiner Bruder. Er geht erstaunlich gut damit um. Und sehr schön finde, dass er in der Familie nicht untergeht, weil sich alles um Tessa kümmert. Die Waage ist ausgeglichen.

Seite 266:
Dad fängt an zu weinen. Er sackt aufs Bett, stützt den Kopf in beide Hände und heult einfach drauflos. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Warum ist er schwächer als ich? Ich setze mich neben ihn und berühre ihn am Knie. "Ich geh nicht ins Krankenhaus zurück, Dad."
Er wischt sich mit dem Hemdsärmel die Nase und sieht mich an. Wie Cal sieht er aus. "Reichst dir wirklich?"
"Mir reichts wirklich."
(...)
"...und eines Tages krieg ich vielleicht Kinder - Chester, Merlin und Daisy."
Dad öffnet kurz ein Auge. "Gott steh ihnen bei!"
"Du wirst Opa. Wir besuchen dich andauernd. Jahrelang besuchen wir dich, bis du neunzig bist."
"Und was dann? Dann stellt ihr die Besuche ein?"
"Nein, dann stirbst du. Vor mir.
 So wie es sich gehört."

Auch Tessas Freund ist eine Spezies für mich. Für mich wäre er wahrscheinlich zu langweilig, aber zu ihr passt er einfach großartig. Und besonders seine Einstellung ganz am Ende finde ich bewundernswert.
Nur ihre beste Freundin Zoey fand ich unysmpathisch. Doch zum Ende hin kann ich vielleicht mittlerweile verstehen warum sie so ist wie sie ist. Dass ihre raue und herzlose, selbstsüchtige Art auch ein Schutzschild ist.
Als Tessa stirbt und * Spoiler* - langsam erst sich nicht mehr bewegen kann, still im Bett liegen bleiben muss, als sie immer wieder einschläft, dazwischen aufwacht und alles wie im Traum um sie herum wabert, als sie nach und nach und dann ganz plötzlich nicht mehr sprechen kann. Gänsehaut. Sie will etwas sagen, aber sie kann nicht mehr reden. Gruselig.
Schließlich kann sie die Augen nicht mehr öffnen. Noch gruseliger.
Sie liegt unbeweglich im Bett, kann nicht mehr sprechen, nicht den kleinen Finger krümmen, die Augen nicht öffnen und hört nur noch etwas und er bleibt die ganze Zeit treu bei ihr.
Und dann hört sie schließlich nicht mehr und gleitet ganz leicht in den Schlaf über.

Seite 187:
Dad ist ein Held.

Das ist so schlimm und einfach gut. Sie merkt nicht mal dass sie stirbt, aber die armen Eltern. Alles wirkt so authentisch.
Ich habe geweint. Und ich darf gar nicht darüber nachdenken.
Das Buch ist einfach so schön.

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