Mittwoch, 16. April 2014

Rezension zu Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie

Eigentlich lese ich gerade Shining Girls, aber ich hatte irgendwie schon nach den ersten 50 Seiten keine Lust mehr weiterzulesen, daher quetschte ich mal eben
Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie von Lauren Oliver, dazwischen.

Und das ist meine Rezension:

Inhalt vom Buchrücken:
Stell dir vor, du hättest nur noch diesen einen Tag...
Für Samantha läuft alles perfekt: Sie hat es geschafft, in die coolste Clique der Highschool aufgenommen zu werden, mit ihren drei engsten Freundinnen hat sie Riesenspaß und dann ist sie auch noch seit Kurzem mit Rob zusammen, dem Schwarm aller Mädchen. Doch als sie am Morgen nach der großen Party aufwacht, weiß sie, es ist an der Zeit, sich einige Fragen zu stellen: Was ist wirklich wichtig in ihrem Leben? Was hat sie noch vor? Welche ihrer Freundschaften sind wahrhaftig? Und welche Schuld kann noch beglichen werden? Denn sie weiß, es ist der letzte Tag ihres Lebens .



Meine Meinung:
Erster Satz:
Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie, aber bei mir war nicht so.

Letzter Satz:
Den Rest müsst ihr selbst herausfinden.

Zunächst einmal muss ich sagen. Ich liebe den Schreibstil von Lauren Oliver. Sie hat einfach die Gabe, berührend und ergreifend zu schreiben, sodass die Worte mir unter die Haut gingen und das ich wirklich über die angesprochenen Themen im Buch nachdachte.
Ich war von ihrer Amor-Trilogie begeistert, daher kaufte ich auch dieses Buch.
Und doch ist es nicht so rund und schön, wie ich es mir ausgemalt hatte. Ich bin ein bisschen enttäuscht, da ich etwas anderes erwartet hatte.

Auszug aus dem Ende: Seite 443
Schwebende Bilder, die kommen und gehen: leuchtend grüne Augen und eine Wiese mit sonnengewärmten Gras, ein Mund der sagt: Sam, Sam, Sam, und es klingt wie ein Lied. Drei Gesichter, die zusammen aufblühen wie Blumen an einem einzigen Stiel, Namen die verebben, ein einzelnes Wort: Liebe. Rote und weiße Blitze, Äste, die angestrahlt werden wie die gewölbte Decke einer Kirche. Und ein Gesicht über meinem, weiß und schön, mit Augen so groß wie der Mond. Du hast mich gerettet. Eine Hand auf meiner Wange, kühl und trocken. Warum hast du mich gerettet? Worte, die aufsteigen wie auf einer  Woge: Nein. Im Gegenteil. Augen von der Farbe des Himmels im Morgengrauen, ein Kranz aus blondem Haar, so hell und weiß und blendend, dass ich schwören könnte, es ist ein Heiligenschein.

Erstens ist mir so eine Welt, die in der Realität stattfinden soll fremd. Ich kenne keine Gegend, bzw. habe noch nie davon gehört, dass es Schulen gibt, an denen so eine starke Hierarchie herrscht, wie in dem Buch.
Zwölftklässler reden nicht mit Zehntklässlern.
Berühmt und beliebt sind die, die nur Scheiße bauen, Mobben, Trinken, Feiern, kein Respekt vor Lehrern haben und alle anderen um sich herum runter machen.
Unbeliebt sind die, die ehrlich sind. Normal, nicht lästern, petzen, sondern gut in der Schule sind.
Und das führt ziemlich weit. Zu weit, meiner Meinung nach.

Auszug aus dem Epilog:
Ich habe keine Angst, falls ihr euch das fragt. Der Augenblick des Todes ist voller Klang und Wärme und Licht, soviel Licht, dass es mich erfüllt und aufsaugt; ein Tunnel aus Licht, der davonschießt und einen Bogen beschreibt, immer, immer höher, und wenn der Gesang ein Gefühl wäre, wäre es das, dieses Licht, dieses Schweben, wie Lachen...

Dann ist da noch dieser Valentinstag. Jede Person schenkt Freunden oder Personen, die man magt, eine Rose. Das klingt an sich sehr schön, wenn es da nicht diesen Drang gebe, dass jeder mehr Rosen haben möchte als der Nächste, da dadurch die Beliebtheit und der soziale Status angezeigt werden.
Wer keine Rose bekommt, gilt offiziell als unbeliebt. Und wird gemieden.
Und wer nicht so einen scheußlichen, egoistischen Charakter hat, wie die Beliebten, der gilt als Freak.
Psycho.
Wer nett ist, gilt als Freak.
Wer mit unbeliebten Schülern redet, gilt als Freak.
Wer Geschenke macht, gilt al Freak.
Wer mit seinem Freund Schluss macht, gilt als Freak.
Ja, einen Freund, sollte man haben....und rumknutschen bis zum geht nicht mehr ist auch voll okay, aber den Ruf als Schlampe darfst du dir nicht einhandeln, dann bist du wieder Psycho.

Versteht ihr was ich meine? So eine Welt kenne ich nicht. Mobbing. Das ja. Aber nicht in diesem Maße.
Und genau daher fand ich Sam auch ziemlich unsympathisch.
Aber es wird besser. Sie ändert sich noch und erkennt wie schwachsinnig, das alles ist. Die Rosen. Das ohne Grund dissen. Das ist der Punkt, der mir gefällt an der Geschichte.
Kent mochte ich. Auch wenn es selten ist, dass jemand so hartnäckig ist, so stur bleibt, sein Ding durchzieht und ein Mädchen liebt, die mal ein Freak war und nun beliebt ist.
Auch, der Schreibstil der Autorin und Kleinigkeiten, wie der Gänsestein, die Kette der Oma, Eis und Traditionen...fand ich sehr ergreifend.

Aber es gab noch viel mehr Punkte, die mir nicht so gefallen haben. Achtung Spoiler!
Das Ende! Ganz klar! Und überhaupt.
Samantha wacht sechs Mal nach ihrem Tod immer wieder am gleichen Tag auf und die ersten Tage, denkt sie noch, ja das ist der Tod. Den Todestag eben immer wieder von vorne erleben, neu gestalten. Dann glaubt sie, sie muss einen anderen Tod retten. Den von Juliet Sykes, die Selbstmord begehen möchte.
Und am siebten Tag weiß sie plötzlich, dass es ihr letzter ist. Aus heiterem Himmel weiß sie, dass sie heute Juliet Sykes rettet und somit endgültig stirbt und nicht mehr aufwachen wird.
Und das obwohl sie endlich erkennt, wem ihre wahre Liebe gehört!
Ich finde da schlimm. Einfach nur traurig, besonders aus Kents Sicht, der sein ganzes Leben lang um Sam kämpft und als er sie dann endlich hat, opfert sie ihr Leben für das einer Selbstmörderin.

Seite 69:
Ich versuche mich nach draußen zu verdrängen, aber Kent stellt sich vor mich und versperrt mir den Weg.
"Was sollte das denn?", fragt er.
"Würdest du mich bitte vorbeilassen?" Ich bin nicht in der Stimmung, mich mit irgendjemand abzugeben, und ganz besonders nicht in der Stimmung mich mit Kent und seinem bescheuerten Hemd abzugeben.
"Was hat sie dir getan?"
Ich verschränke die Arme. "Alles klar. Du bist mit Psycho befreundet. Ist es das?"
Er kneift die Augen zusammen. "Ziemlich origineller Spitzname. Hast du dir den ganz alleine ausgedacht oder mussten dir deine Freundinnen dabei helfen?"
"Geh mir aus den Weg." Es gelingt mir, mich an ihm vorbeizuzwängen, aber er hält meinen Arm fest.
"Warum?", fragt er.

Und da ist meine zweite Verwunderung. Warum ist der Sinn, dass sie eine Selbstmörderin rettet? Besonders, wenn Juliet Sykes so hartnäckig ist und bis zum Schluss, allen Versuchen zum Trotz sich umbringen möchte, obwohl Sam alles erdenkliche tut, um sie zurückzuhalten.
Dann kann man Juliet nicht mehr helfen und deswegen muss sich Sam auch nicht opfern, denn sie trägt nicht die Hauptschuld. Klar, sie war eine Mitläuferin, hat ihr auch Bier über den Kopf geschüttet, aber trotzdem ist es das nicht wert. Lindsey, die Ursache, für Juliets Tod, für Sams Tod (denn sie saß am Steuer) und für alle Dramen und Verleugnungen eigener Leistungen kommt gut weg. Und das finde ich echt nicht gut. Und daher weiß ich auch nicht so recht, ob ich das Buch mögen kann, auch wenn der Schreibstil und die Botschaften und all die Kleinigkeiten noch so toll sind.

Seite 77:
Ally beschimpft sie als Schlampe, schnallt sich ab und beugt sich vor, um nach dem Ipod zu greifen. Lindsay beklagt sich, dass ihr jemand den Ellbogen in den Nacken stößt. Die Zigarette fällt ihr aus dem Mund und landet in ihrem Schoß. Sie flucht und versucht die Glut vom Sitz zu wischen, und Elody und Ally rangeln immer noch miteinander und ich versuche sie zu übertönen und sie daran zu erinnern, wie wir im Mai Schneeengel gemacht haben. Die Uhr springt auf 00:39. Die Reifen schlittern ein bisschen auf der nassen Straße und das Auto ist voller Zigarettenrauch, kleine Rauchfahnen, die in der Luft aufsteigen wie Gespenster.
Dann blitzt plötzlich etwas Weißes vor dem Auto auf. Lindsay schreit etwas - Wörter, die ich nicht verstehen kann, irgend so was wie Sitz oder Sicht oder Scheiß- plötzlich überschlägt sich das Auto und schleudert von der Straße herunter mitten hinein in das schwarze Maul des Waldes. Ich höre ein kreischendes Geräusch - Metall auf Metall, zersplitterndes Glas, ein Auto, das zusammengeknautscht wird - und rieche Feuer. Ich habe noch Zeit, mich zu fragen, ob Lindsay wohl ihre Zigarette ausgemacht hat...
Und dann...

Die Charaktere hat Lauren Oliver sehr facettenreich dargestellt. Einige sind detailliert, andere dagegen flach.
Lindsey fand ich gut dargestellt, besonders zum Ende hin, erfuhr der Leser immer mehr die Gründe ihres Verhaltens, auch wenn das keine Entschuldigung ist.
Elody und Ally waren okay.
Sams Eltern mochte ich, auch wenn mir bis dato noch suspekt ist, dass sie Sam lassen machen, was sie will und nichts gegen die schlechtere Charakterwandlung unternehmen.
Und ihre kleine Schwester Izzy fand ich am besten. der Star im Buch.
Rob, Sams Freund ist einfach nur widerlich. Durchschnitt und zu betrunken für diese Welt.
Kent dagegen ist süß und einfach perfekt, was Sam leider erst erkennt, wenn es zu spät und sie bereits tot ist.

Das aktuelle, neue Cover mit der Blume finde ich doof. Das alte war viel besser, sprang mehr ins Auge und der Titel ist einfach toll.



Ich vergebe drei Genießer. Hier könnt ihr mein Bewertungssystem sehen.
Der Plot an sich ist spannend, aber ich brauchte ein paar Seiten ehe ich mitgerissen wurde. Zwei Tagen Lesezeit sagen eigentlich alles.
Aber zufrieden bin ich trotzdem nicht.
Ich hätte gern gewusst, wie ihr Umwelt auf ihren Tod reagiert. Das fehlt mir irgendwie.




Kommentare:

  1. Hey,

    war jetzt einfach mal so frech und habe dich getaggt: http://anneblogt.de/?p=1422

    LG
    Anne

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  2. Oh vielen Dank. Ich werde gerne getaggt.
    Für diese Frechheit kriegst du von mir ein Küsschen :*
    LG
    Fiorella

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  3. Das Buch hört sich sehr interessant an :)
    Nachdenklich...schön...
    Danke dafür
    Lieben gruß
    Missmorti

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  4. Ich widerspreche dir in dem Punkt, als dass ich doch finde, dass es so etwas wie Hierarchien an der Schule geben kann. Erstens ist das ein Klischee, was man in jedem zweiten Teeniefilm sieht. Es gibt keine normalen Schüler; entweder gehört man zu den Strebern, den Sportlern und Beliebten, den Schüchternen und damit Unscheinbaren und und und ...
    Gerade im Teenageralter ist es so wichtig, sich einen gewissen Ruf aufzubauen, weil Kinder und Jugendliche echt gemeint sein können. Wenn man etwas Falsches macht, wird man direkt in eine Schublade gesteckt und kann höchstens noch auf seine besten Freunde zählen, wenn man denn welche hat.
    Vielleicht ist es hier ein bisschen übertrieben und krass, was die Mädels machen, die Art ist mir persönlich aber nicht so unbekannt und fern.

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    1. Hm,
      echt meinst du? Ich finde Hierarchien doof. Okay, na vielleicht hast du Recht, es gibt keine "Normalen", ich werde auch in die Schublade, "das Mädchen, das nur liest oder mit dem Stift in der Hand" gesteckt, obwohl ich ja noch viel mehr mache...aber ich fand es einfach zu krass. Zu schlimm!

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  5. Ave,
    diese von dir kritisierten Merkmale bezüglich der sozialen Struktur lassen sich ja doch in vielen Büchern wiederfinden. Ich denke, dass das schon überwiegend ein Klischee ist, allerdings lassen sich Ansätze dafür (wie bei vielen Klischees) schon irgendwo finden. Solche Aktionen wie das mit den Rosen gibt es bei uns an der Schule auch (in Form von Nikoläusen am Nikolaustag), allerdings machen meist nur die Unterstufler begeistert dabei mit. Da kann das dann aber schon fast in einen kleinen Beliebtheitswettbewerb ausarten.
    Aber generell würde ich sagen, diese große Rolle der sozialen Hierarchie ist eine "Krankheit" von Jugendbüchern im Allgemeinen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Eine "Krankheit" geniale Bezeichnung. naja, in anderen Büchern ist es mir jedenfalls noch nie so drastisch aufgefallen.

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